22.06. – 24.06.2026 – Die Hopewell Rocks – Bildhauer der Gezeiten
Nach unserem Zwischenstopp am Minas Basin führte uns die Reise entlang der Bay of Fundy zu einem ihrer bekanntesten Wahrzeichen: den Hopewell Rocks.
Schon auf den ersten Blick wird klar, warum dieser Ort zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in den kanadischen Atlantikprovinzen zählt.
Die gewaltigen, bis zu 20 Meter hohen Sandsteinformationen ragen wie überdimensionale Blumentöpfe aus dem Meeresboden. Tatsächlich tragen viele von ihnen aufgrund ihrer Form den treffenden Spitznamen Flowerpot Rocks, denn auf ihren breiten Köpfen wachsen Bäume und Sträucher, während das Meer den darunterliegenden Felsen über Jahrtausende immer weiter ausgehöhlt hat.
Verantwortlich für diese faszinierenden Skulpturen ist kein Künstler, sondern die Natur selbst.











Die Bay of Fundy besitzt den weltweit größten Tidenhub. Zweimal täglich strömen hier schätzungsweise rund 160 Milliarden Tonnen Meerwasser in die Bucht hinein und wieder hinaus – mehr Wasser, als alle Flüsse der Erde zusammen in derselben Zeit ins Meer transportieren. Der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt meist 10 bis 13 Meter und kann bei besonders günstigen Mond- und Wetterkonstellationen sogar bis zu 16 Meter erreichen.
Genau diese gewaltigen Wassermassen haben die weichen Sandsteinfelsen über Jahrtausende geformt und ihnen ihre heutige Gestalt verliehen.
Das Besondere an den Hopewell Rocks ist, dass man die Landschaft gleich zweimal erleben kann.
Bei Flut fahren Kajaks zwischen den Felsen hindurch, deren Spitzen wie kleine Inseln aus dem Wasser ragen. Wenige Stunden später zieht sich das Meer vollständig zurück und gibt den Meeresboden frei. Dann kann man trockenen Fußes zwischen den riesigen Felsformationen spazieren und die Dimensionen aus nächster Nähe bestaunen.
Wir hatten das Glück, beide Seiten dieses Naturschauspiels zu erleben. Es ist kaum zu glauben, dass derselbe Ort innerhalb weniger Stunden sein Gesicht so vollständig verändert.
Die Hopewell Rocks gehören für uns ohne Zweifel zu den beeindruckendsten Naturwundern Ostkanadas. Nicht wegen ihrer Größe allein, sondern weil sie eindrucksvoll zeigen, mit welcher Geduld und Kraft die Natur Landschaften erschaffen kann.
Nach zwei abwechslungsreichen Tagen hieß es schließlich Abschied nehmen von der Bay of Fundy. Vor uns lagen wieder unzählige Straßenkilometer, neue Landschaften und – wie sich später herausstellen sollte – leider auch eine beachtliche Anzahl hungriger Insekten.
