Eine Alternative zu Cape Cod
Während unseres Aufenthalts in New York hatten wir weiter recherchiert.
Eigentlich wollten wir anschließend zurück nach Cape Cod fahren und erneut unser Glück mit dem Outer Beach versuchen.
Doch inzwischen hatten wir herausgefunden, dass es auch auf Long Island Möglichkeiten gibt, mit einem geeigneten Allradfahrzeug direkt auf bestimmte Strandabschnitte zu fahren und dort teilweise sogar zu übernachten.

Das klang interessant.
Sehr interessant sogar.
Warum also die weite Strecke zurück nach Cape Cod fahren, wenn wir unmittelbar vor der Haustür ähnliche Möglichkeiten hatten?
Die entscheidenden Stichworte lauteten Suffolk County Parks, Green Key und Outer Beach Permit.
Also änderten wir unsere Reisepläne erneut und fuhren ganz hinaus an das östliche Ende von Long Island.
Unser Ziel:
Montauk.
Montauk Outer Beach – eine Woche direkt am Atlantik
Im Montauk County Park kümmerten wir uns zunächst um die erforderlichen Formalitäten.
Wir benötigten den entsprechenden Zugang über das Suffolk-County-Parks-System sowie ein spezielles 4×4 Outer Beach Permit.
Auch hier galt wieder: Wer mit einem Fahrzeug auf den Strand möchte, muss vorbereitet sein.
Fahrzeugpapiere, Reserverad, Wagenheber, Schaufel, Luftkompressor und weitere Bergungs- und Sicherheitsausrüstung gehören zur vorgeschriebenen Ausstattung. Für das Übernachten direkt am Strand muss das Fahrzeug außerdem vollständig autark sein.
Mit unserem Mog konnten wir die Voraussetzungen problemlos erfüllen.
Und dann durften wir endlich dorthin, wo wir eigentlich schon auf Cape Cod hinwollten:
direkt auf den Strand.
Raus aus dem Pulk
Der erste Eindruck war allerdings zunächst etwas ernüchternd.
In einem Bereich standen bestimmt 40 oder 50 Wohnwagen, Pick-ups und RVs dicht beieinander am Strand.
Das war nun nicht ganz das, was wir uns unter einsamem Strandcamping vorgestellt hatten.
Zum Glück erklärte uns ein Mitarbeiter des Parks, dass sich der befahrbare Bereich noch wesentlich weiter erstreckte. Mit unserem geländegängigen Fahrzeug könnten wir durchaus weiter hinausfahren und uns einen deutlich abgelegeneren Platz suchen.
Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen.
Also Luftdruck runter, Allrad rein und weiter über den Sand.
Und irgendwann hatten wir tatsächlich genau das gefunden, was wir gesucht hatten:
Atlantik vor der Tür.
Sand rundherum.
Keine Wohnmobile in unmittelbarer Nachbarschaft.
Keine Generatoren.
Keine Campingplatzparzellen.
Nur ab und zu ein paar Angler.
Und ansonsten wir.







#Genau deswegen reisen wir mit diesem Fahrzeug.
Wir blieben eine ganze Woche.
Morgens mit Blick aufs Meer aufwachen, mit den Hunden am Strand entlanglaufen, tagsüber Sonne und Atlantik genießen und abends den Tag direkt am Wasser ausklingen lassen.
Viel besser geht es eigentlich nicht.
Sieben Tage – dann heißt es weiterziehen
Die Suffolk County Parks haben allerdings eine klare Aufenthaltsregelung.
Auf einem Campground beziehungsweise an einem entsprechenden Übernachtungsplatz darf man maximal sieben Nächte bleiben. Anschließend muss man diesen Park für mindestens sieben Nächte verlassen, bevor man dort erneut übernachten darf.
Kein großes Problem für uns.
Schließlich gibt es auf Long Island noch einige weitere County Parks.
Also beschlossen wir, die Insel etwas weiter zu erkunden und nach Ablauf unserer Woche später wieder nach Montauk zurückzukommen.
Paketlotterie – Long Island Edition
Während unseres ersten Aufenthalts in Montauk starteten wir außerdem den nächsten Versuch unserer inzwischen schon fast traditionellen nordamerikanischen Paketlotterie.
Vorher hatten wir mit den ausgesprochen hilfsbereiten Mitarbeitern im kleinen Office abgesprochen, ob wir einige Bestellungen dorthin liefern lassen könnten.
Kein Problem.
Zumindest theoretisch.
Ein Teil der Pakete kam tatsächlich an.
Während wir ohnehin am Office vorbeimussten, um Abwasser zu entsorgen und Frischwasser zu bunkern, konnten wir drei oder vier Sendungen problemlos entgegennehmen.
Andere verschwanden dagegen wieder irgendwo im amerikanischen Paketuniversum.
Manche wurden zurückgeschickt.
Andere sollten irgendwo bei irgendwelchen Paketdiensten liegen.
Einige fehlen uns bis heute.
Es scheint langsam zu einem festen Bestandteil unserer Reise zu werden:
Andere Menschen sammeln Kühlschrankmagnete aus den einzelnen Regionen.
Wir sammeln Trackingnummern.

Cedar Point County Park
Nach sieben Nächten mussten wir Montauk zunächst verlassen.
Unsere nächste Station wurde der Cedar Point County Park bei East Hampton.
Im Gegensatz zu unserem einsamen Strandplatz in Montauk lagen die eigentlichen Campingplätze hier mitten im Wald.
Großzügig, ruhig und eigentlich sehr schön.
Der Park besitzt ebenfalls einen Outer-Beach-Bereich, den man mit entsprechendem Permit mit dem Fahrzeug befahren kann.
Anhand der noch vorhandenen Nummerierungen konnte man erkennen, dass dort früher offenbar sogar direkt am Strand übernachtet werden durfte.
Heute ist das anders.

Tagsüber durften wir mit dem Mog an den Strand fahren und uns dort hinstellen, spätestens am Abend mussten wir jedoch wieder zurück auf unseren regulären Campingplatz im Wald.
Damit konnten wir gut leben.
Also entwickelte sich schnell unser täglicher Rhythmus:
Morgens raus aus dem Wald.
Mit dem Mog an den Strand.
Den Tag mit Sonne, Wind und Meer verbringen.
Und am Abend wieder zurück auf unseren Stellplatz.
Eigentlich perfekt.
Wenn da nicht diese kleinen fliegenden Monster gewesen wären.
Fressen und gefressen werden
Im Wald gab es nämlich Stechfliegen.
Viele Stechfliegen.
Sehr viele Stechfliegen.
Und sie hatten Hunger.
Draußen sitzen war praktisch unmöglich. Kaum stand man einige Minuten vor dem Fahrzeug, wurde man regelrecht zerbissen.
Mücken sind lästig.
Diese Viecher hatten dagegen offenbar eine persönliche Mission.
Am Strand selbst war es durch den Wind wesentlich angenehmer und dort hatten wir weitgehend unsere Ruhe.
Also blieb es dabei:
Tagsüber Beach.
Nachts Wald.
Nach drei Nächten hatten wir allerdings genug und zogen weiter.
Indian Island County Park – Riverhead
Unsere nächste Station war der Indian Island County Park bei Riverhead.
Der Park liegt an der Mündung des Peconic River zur Flanders Bay und besitzt ebenfalls einen kleinen Strandbereich. Mit dem Fahrzeug durfte man dort allerdings nicht direkt auf den Strand fahren.
Unser Stellplatz lag an einem kleinen Wasser- beziehungsweise Kanaleinschnitt im bewaldeten Bereich.
Auch dort gab es Insekten – Long Island wollte offenbar unbedingt sicherstellen, dass wir seine Tierwelt aus wirklich nächster Nähe kennenlernen –, aber immerhin deutlich weniger aggressive Stechfliegen als in Cedar Point.
Wir planten vier Nächte.
Eigentlich sollte es ein relativ ruhiger Zwischenstopp werden.
Das wurde es nicht.
Der Kühlschrank – schon wieder
Zunächst meldete sich ein alter Bekannter zurück:
unser Kühlschrank.
Der normale Kühlbereich arbeitete noch halbwegs vernünftig, aber das Tiefkühlfach schaffte plötzlich nur noch Temperaturen um 0 bis +2 Grad.
Das hatten wir inzwischen schon einmal erlebt.
Also hieß es wieder:
ausräumen, zerlegen und nachsehen.
Dabei wurde diesmal sehr deutlich sichtbar, was vermutlich das eigentliche Problem war.
An den Lüfterrädern beziehungsweise im Bereich des Verdampfers hatte sich Feuchtigkeit niedergeschlagen und anschließend Eis gebildet. Die Lüfter waren teilweise regelrecht vereist und konnten die kalte Luft dadurch nicht mehr vernünftig umwälzen.
Kein Luftstrom – keine vernünftige Tiefkühlleistung.


Wahrscheinlich begünstigen wir das Problem selbst dadurch, dass wir den Kühlschrank immer wieder ziemlich vollpacken. Dadurch wird die Luftzirkulation zusätzlich erschwert.
Nach dem Abtauen funktionierte wieder alles.
Aber dauerhaft wollten wir uns mit dieser Lösung nicht zufriedengeben.
Unsere Idee war deshalb, die warme Abluft hinter dem Kühlschrank künftig aktiv nach außen zu transportieren. Dafür wollten wir einen zusätzlichen leistungsstarken Computerlüfter in die Außenwand integrieren.
Den entsprechenden Lüfter hatten wir bereits bestellt.
Diesmal allerdings nicht irgendwohin in die Wildnis, sondern gezielt an einen Abholpunkt bei einem Staples beziehungsweise UPS Store in Bridgehampton.
Und tatsächlich:
Das Paket kam an.
Wieder ein kleiner Sieg im täglichen Kampf gegen die amerikanischen Paketdienste.
Für den Einbau fehlte uns nur noch ein passender Lochbohrer für die Außenwand.
Den hatte ich in Riverhead gekauft – bestehend aus Bohrkrone und Adapter für die Werkzeugaufnahme.
Zumindest dachte ich das.
Beim späteren Auspacken stellte sich heraus, dass man mir leider den falschen Adapter verkauft hatte.
Damit war das Projekt zunächst wieder beendet.
Den Adapter werden wir auf unserer Weiterfahrt Richtung Washington umtauschen und den zusätzlichen Kühlschranklüfter vermutlich später einbauen – vielleicht im Shenandoah National Park, wenn wir dort ein paar ruhige Tage haben.
Bis dahin hoffen wir einfach, dass unser Kühlschrank beschlossen hat, uns eine kleine Pause zu gönnen.
Sorgen um Tila
Das Kühlschrankproblem sollte allerdings schnell vollkommen nebensächlich werden.
Schon während unserer Zeit in Cedar Point war uns aufgefallen, dass Tila ungewöhnlich schlapp war und kaum noch fressen wollte.
Zunächst beobachteten wir das ein paar Tage.
Manchmal haben Hunde schließlich einfach einen schlechten Tag.
Aber es wurde nicht besser.
In Riverhead war schließlich klar:
Wir müssen zum Tierarzt.
Aus dem zunächst geplanten Tierarztbesuch wurde leider sehr schnell eine wesentlich ernstere Angelegenheit. Weitere Untersuchungen ergaben, dass eine aufwendige Operation in einer Tierklinik notwendig war.
Das waren einige ziemlich nervenaufreibende Stunden und Tage für uns.
Die Operation ist glücklicherweise gut verlaufen und wir konnten Tila anschließend wieder aus der Klinik abholen.

Die ganze Geschichte und was genau passiert ist, wird Nikola noch einmal in einem eigenen Beitrag erzählen.
Für uns war zunächst nur wichtig:
Tila war wieder bei uns.
Wir verbrachten deshalb noch eine weitere Nacht im Indian Island County Park und wollten am nächsten Morgen endlich wieder Richtung Strand aufbrechen.
Nach Shinnecock vielleicht.
Oder wieder nach Montauk.
Hauptsache raus aus dem Wald.
Wie richtig diese Entscheidung war, sollten wir schon wenige Minuten nach der Abfahrt feststellen.
Roxanne und die Zeckeninvasion
Kurz nachdem wir Indian Island verlassen hatten, bemerkten wir bei Roxanne einige winzige dunkle Punkte.
Zecken.
Zunächst dachten wir noch an die üblichen paar Exemplare, die man nach Spaziergängen im Wald eben gelegentlich findet.
Dann schauten wir genauer hin.
Es waren nicht ein paar.
Es waren Hunderte.
Wenn nicht Tausende.
Winzig kleine, teilweise kaum stecknadelkopfgroße Zecken saßen im Fell.
Und nicht nur dort.
Plötzlich entdeckten wir sie überall.
Im Mog.

Auf Oberflächen.
In Ritzen.
Auf Polstern.
Damit begann eine ziemlich hektische Reinigungsaktion.
Nikola kümmerte sich an der Dumpstation um Roxanne und wusch sie gründlich mit einem speziellen Shampoo, das ich zuvor noch in Riverhead besorgt hatte.
Ich wiederum durfte mich dem Mogster widmen.
Also Staubsauger raus.
Leider kein leistungsstarker Werkstattsauger, sondern unser eher gemütlicher kleiner Bordstaubsauger.
Damit begann eine stundenlange Aktion.
Saugen.
Ritzen kontrollieren.
Wieder saugen.
Polster absuchen.
Wieder saugen.
Und immer wieder diese winzigen Punkte.
Irgendwann hatten wir zumindest das Gefühl, die Lage halbwegs unter Kontrolle zu haben.
Zwischendurch mussten wir noch Wäsche waschen, einkaufen und unsere weitere Route organisieren.
Eines war inzwischen völlig klar:
Wir wollten raus aus diesen Wäldern.
Keine Stechfliegen mehr.
Keine Mücken.
Und vor allem keine Zecken.
Wir wollten zurück ans Meer.
Montauk Outer Beach – zurück an den Atlantik
Also telefonierten wir noch am selben Tag mit dem Office in Montauk.
Die gute Nachricht:
Wir konnten auch später am Abend noch anreisen – solange wir es ungefähr bis 19 Uhr schaffen würden.
Damit war die Entscheidung gefallen.
Alles verstauen.
Hunde ins Auto.
Mog starten.
Und zurück nach Montauk.
Nach den letzten Tagen mit Tierklinik, Kühlschrankproblemen, Stechfliegen und einer Zeckeninvasion fühlte sich die Fahrt Richtung Atlantik fast wie eine kleine Flucht an.
Aber sie führte genau dorthin, wo wir hinwollten.
Zurück zum Outer Beach.
Zurück zum Wind.
Zurück zum Meer.
Und vor allem:
raus aus dem Wald.










Wir kamen rechtzeitig und wohlbehalten in Montauk an und konnten erneut hinaus auf den Strand fahren.
Und plötzlich war wieder Ruhe.
Vor uns der Atlantik.
Unter uns Sand.
Über uns Himmel.
Keine Bäume.
Keine Stechfliegen.
Und hoffentlich auch deutlich weniger Zecken.
Hier werden wir nun noch einmal eine ganze Woche direkt am Strand verbringen, bevor es für uns weitergeht. Zeit genug für einige kleinere Arbeiten, wie Lüftungslöcher in Schranktüren und Schublade auf der Kühlschrankseite, und einen ausgerissen Kabinentürhalter. Sicherlich gibt es schlechtere Plätze für Reparaturarbeiten.





Danach steht bereits das nächste große Kapitel unserer Reise an:
Washington D.C., die Blue Ridge Mountains und der Shenandoah National Park.
Aber im Moment reicht uns erst einmal eines vollkommen:
Morgens die Tür öffnen und aufs Meer schauen.

