Nach den Vorbereitungen der letzten Monate war es endlich soweit: Unser großes Kanada-Abenteuer konnte beginnen. Bevor wir jedoch unseren Mogstar in Halifax wieder in die Arme schließen durften, lagen noch einige Flugmeilen, Straßenkilometer und Behördenschalter zwischen uns und unserem rollenden Zuhause.
03.06.2026 – Auf nach Kanada
Endlich war der Tag gekommen: Abflug in Frankfurt mit Condor Richtung Toronto. Während wir Menschen uns entspannt zum Check-in bewegten, begann für unser Wolfsrudel der aufregende Teil bereits deutlich früher. Die Hunde mussten bereits 1,5 Stunden vor Abflug abgegeben werden und verschwanden hinter den Kulissen des Flughafens.



Nach knapp acht Stunden Flug landeten wir in Toronto. Obwohl wir bereits im Besitz einer ETA waren und die Zollerklärung vorab online erledigt hatten, zeigte Kanada gleich zu Beginn, dass Gründlichkeit hier großgeschrieben wird. Rund drei Stunden dauerte es, bis sämtliche Formalitäten erledigt waren und wir unsere vierbeinigen Reisegefährten endlich wieder in Empfang nehmen konnten. Die Fellnasen wirkten verständlicherweise sehr gestresst, waren aber gesund und wurden in kurzer Zeit wieder recht munter – und das war die Hauptsache.

Anschließend übernahmen wir unseren Mietwagen bei Alamo und machten uns auf die rund 100 Kilometer lange Fahrt nach Lincoln. Mitten in der Nacht erreichten wir schließlich unser Ferienapartment. Nach einem wohlverdienten Absacker fiel die gesamte Mannschaft erschöpft ins Bett.
04.06.2026 – Wasser, das die Welt beeindruckt
Der erste Tag auf kanadischem Boden begann deutlich entspannter. Zunächst wurden die wichtigsten Einkäufe erledigt. Dabei stellten wir schnell fest, dass das Preisniveau in Kanada aktuell deutlich über dem deutschen liegt. Besonders Lebensmittel sorgen regelmäßig für hochgezogene Augenbrauen an der Kasse.
Anschließend stand ein echtes Highlight auf dem Programm: die berühmten Niagarafälle.
Mit einer Breite von über einem Kilometer und Fallhöhen von bis zu 57 Metern gehören die Niagarafälle zu den bekanntesten Naturwundern Nordamerikas. Jede Sekunde stürzen hier mehr als 2.800 Kubikmeter Wasser in die Tiefe. Die Fälle bestehen eigentlich aus drei Wasserfällen: den Horseshoe Falls auf kanadischer Seite sowie den American Falls und den Bridal Veil Falls auf US-amerikanischer Seite. Besonders beeindruckend ist das permanente Donnern der Wassermassen, das man bereits aus großer Entfernung hören kann.




Trotz zahlloser Fotos und Videos muss man dieses Naturschauspiel einmal selbst erlebt haben, um die gewaltigen Dimensionen wirklich zu begreifen.
05.06.2026 – Kilometerfressen deluxe
Der Wecker klingelte bereits um 03:30 Uhr. Vor uns lagen rund 1.850 Kilometer auf dem legendären Trans-Canada Highway. Unser Ziel: Nova Scotia und damit die Nähe zu unserem Mogstar.
Was folgte, war ein wahrer Marathon auf Rädern. Endlose Wälder, weite Landschaften und unzählige Kilometer Asphalt begleiteten uns durch den Tag und weit hinein in die Nacht.
Nach etwas mehr als 21 Stunden erreichten wir schließlich unser Ferienhaus bei Amherst beziehungsweise Tidnish Bridge – erneut mitten in der Nacht.

Zumindest verliefen die Tankstopps überraschend schonend für die Reisekasse. Der Benziner ließ sich für umgerechnet etwa einen Euro pro Liter betanken – ein Preis, von dem man in Deutschland derzeit nur träumen kann.
Das Beste jedoch: Wir hatten uns unserem geliebten Unimog bis auf etwa 200 Kilometer genähert. Der Hafen von Halifax rückte in greifbare Nähe.
Das anschließende Wochenende nutzten wir für weitere Besorgungen, letzte Vorbereitungen und natürlich etwas Erholung nach den Strapazen der Anreise.
08.06.2026 – Wiedervereinigung mit Mogstar
Noch vor Sonnenaufgang starteten wir gegen 04:30 Uhr Richtung Halifax. Der Plan war klar: möglichst früh beim Zoll erscheinen, den unverzichtbaren Stempel ergattern und anschließend unseren Mogstar aus dem Hafen befreien.
Glücklicherweise verliefen die Formalitäten problemlos und wenig später stand er tatsächlich vor uns – wohlbehalten nach seiner Atlantiküberquerung.
Nun begann die übliche Expeditionsmobil-Logistik:
- Mietwagen von einer beeindruckenden Menge Hundehaaren befreien
- Rückgabe am Flughafen Halifax
- Diesel und AdBlue bunkern
- Frischwasser auftreiben und den Tank füllen
- Lebensmittelvorräte ergänzen
- Die staatlichen Verkaufsstellen für Bier und Wein aufsuchen (ein teures Vergnügen)
- Eine Quelle für BARF-Hundefutter finden
Nachdem sämtliche Aufgaben erfolgreich erledigt waren, steuerten wir unseren ersten Übernachtungsplatz am See bei Lochaber Mines an. Rund 120 Kilometer lagen zwischen Halifax und unserem ersten kanadischen Sundowner.



Der Platz war traumhaft. Die Abendsonne spiegelte sich auf dem Wasser und zum ersten Mal stellte sich das Gefühl ein: Jetzt hat die Reise wirklich begonnen.
Allerdings machten wir dort auch Bekanntschaft mit einem der weniger beliebten Bewohner Nova Scotias: den berüchtigten Black Flies. Die kleinen Biester traten in beeindruckender Stückzahl auf und machten sofort klar, warum sie unter Reisenden einen legendären Ruf genießen.
09.06.2026 – Flucht vor den Black Flies
Der Morgen begann mit einer taktischen Entscheidung.
Frühstück oder Flucht?
Die Black Flies entschieden diese Frage für uns.
Nach dem ersten Kaffee packten wir zusammen und verlegten unseren Standort Richtung Küste. Dort fanden wir beim Port Bickerton Lighthouse einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer und beschlossen spontan, gleich zwei Nächte zu bleiben.
Die Umgebung begeisterte mit herrlichen Wanderwegen, rauer Küstenlandschaft, kleinen Buchten und fantastischen Ausblicken auf den Atlantik. Dazu kamen nette Gespräche mit anderen Reisenden und Weltenbummlern, die man unterwegs immer wieder trifft.




Überhaupt hinterlassen die Kanadier bislang einen äußerst positiven Eindruck. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich, offen und interessiert. Kaum irgendwo bleibt man länger stehen, ohne in ein Gespräch verwickelt zu werden.
“Wo kommt ihr her?”
“Wie lange seid ihr unterwegs?”
“Und ihr seid mit diesem Fahrzeug wirklich aus Deutschland gekommen?”
Fragen wie diese gehören mittlerweile zum Alltag.
Auch auf den Straßen erleben wir die Kanadier als äußerst rücksichtsvolle und entspannte Verkehrsteilnehmer. Hupkonzerte, Drängler oder hektische Fahrmanöver scheinen hier weitgehend unbekannt zu sein.
Ausblick
Als Nächstes wartet eines der großen Highlights Nova Scotias auf uns: der berühmte Cabot Trail auf Cape Breton Island.
Die spektakuläre Küstenstraße zählt zu den schönsten Panoramastraßen Nordamerikas und verspricht grandiose Ausblicke auf den Atlantik, einsame Strände, wilde Highlands und hoffentlich die ein oder andere Begegnung mit Elchen oder Walen.
Wir sind gespannt, welche Abenteuer hinter der nächsten Kurve auf uns warten.

