Entlang der D400 in die Großstadt
Von Haci Beach aus ging es weiter Richtung Antalya – rund 70 bis 80 Kilometer auf der D400, einer der schönsten Küstenstraßen des Landes. Das Meer stets zur Seite, das Licht wechselnd, der Verkehr dichter werdend. Nach all den ruhigen Strandtagen fühlte sich die Einfahrt in die Großstadt fast wie ein kleiner Kulturschock an.
Unser Ziel war der städtische City-Campingplatz, praktisch gelegen und gut angebunden. Dort gab es ein freudiges Wiedersehen mit Vivien und Jürgen, die ebenfalls hier Station machten. Ein vertrautes Gesicht in der Großstadt – immer ein gutes Gefühl.
Mercedes Special Trucks: Die Suche nach dem unsichtbaren Fehler
Von Haci Beach aus hatten wir bereits einen Termin bei Mercedes Special Trucks am Stadtrand von Antalya vereinbart. Die Ursache für die wiederkehrenden Überhitzungen und das zweimalige Abrutschen des Kühlwasserschlauchs sollte nun endgültig gefunden werden.
Der Tag begann früh – und zog sich.
Stundenlang hing der Unimog am Diagnosegerät. Messwerte, Kurven, Parameter. Ergebnis: nichts. Kein Fehler, keine Auffälligkeit. Der betreffende Kühlwasserschlauch wurde vorsorglich doppelt gesichert, eine ausgedehnte Testfahrt mit angeschlossenem Diagnosetool verlief ebenfalls unauffällig.
Von 10 Uhr bis 17 Uhr verbrachten wir auf Garantieabwicklung in der Werkstatt. Das Fazit der Techniker: Alles in Ordnung.
Einziger Hinweis: Das Kühlmittel reiche aktuell nur noch für etwa –10 °C Frostschutz – was angesichts der vorherigen massiven Verluste eher zweifelhaft erschien. Ein Garantieantrag für das Auffüllen auf –40 °C wurde gestellt. Antwort: ein bis zwei Tage Wartezeit. Alternativ hätten wir 250 € sofort zahlen können.
Wir entschieden uns fürs Warten.
Bereits am nächsten Tag kam die Antwort: Garantie abgelehnt.
Also beschlossen wir, das Auffüllen am Folgetag auf eigene Rechnung durchführen zu lassen – währenddessen….
Antalya entdecken: Zwischen römischem Tor und Hafen
DenTag nutzten wir für ein ausgiebiges Sightseeing in Antalya – eine Stadt, die weit mehr ist als nur touristischer Ausgangspunkt für Badeurlaube.
Unser Rundgang begann am Hadrianstor, einem monumentalen römischen Triumphbogen aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Errichtet zu Ehren von Kaiser Hadrian, markiert es bis heute den Eingang zur historischen Altstadt Kaleiçi.



Von dort schlenderten wir durch enge Gassen mit restaurierten osmanischen Häusern, kleinen Läden und Cafés hinunter zum alten Hafen, der einst das wirtschaftliche Herz der Stadt war. Heute dümpeln hier Ausflugsboote im Wasser, Möwen kreisen, und man sitzt bei einem Cappuccino mit Blick aufs Meer – eine angenehme Mischung aus Geschichte und Gegenwart.
Ein perfekter Kontrast zur Werkstattrealität.






Diagnose, Entlassung – und das sofortige Comeback
Am nächsten Morgen war der Termin für 10 Uhr angesetzt. Tatsächlich rollten wir – nach einer kurzen Kaffeepause – erst um 11:15 Uhr in die Werkstatt ein. Der Service dauerte etwa zwei Stunden, inklusive detaillierter Erklärungen, wie die Entlüftung des Kühlsystems professionell durchzuführen sei.
Gegen 13:30 Uhr wurden wir mit den Worten
„Jetzt bitte nichts mehr selbst reparieren“
als geheilt entlassen.
Wir kamen exakt zwei Kilometer weit.
Dann überhitzte das System hoffnungslos bei 118 °C.
Der herbeigerufene Servicetechniker war innerhalb von 15 Minuten vor Ort, konnte jedoch aufgrund der Überhitzung keinen Fehler feststellen. Mehrere Versuche, Frostschutz nachzufüllen, blieben erfolglos. Also beschlossen wir, in kleinen Etappen, unter ständiger Temperaturkontrolle, zurück zur Werkstatt zu fahren.
Der erste Stopp war bereits nach wenigen hundert Metern nötig. Regen setzte ein – und verlängerte die Pause unfreiwillig.
Beim erneuten Prüfen des Kühlmittelstands zeigte sich das bekannte Bild: Der Pegel im Ausgleichsbehälter war deutlich gesunken. Nun konnten 5–6 Liter nachgefüllt werden, die Fahrerhausheizung funktionierte wieder, die Temperatur stabilisierte sich auf 80–85 °C.
Thermostat, gekipptes Fahrerhaus und Silvester in der Werkstatt
Zurück in der Werkstatt fiel nach längerer Beratung der nächste Verdacht: Thermostat.
Glück im Unglück – ein passendes Teil war tatsächlich auf Lager.
Allerdings bedeutete der Wechsel erheblichen Aufwand:
- Kühlmittel wieder ablassen
- Fahrerhaus kippen
- sämtlichen losen Innenausbau entfernen
- Durchgang zur Wohnkabine vollständig trennen
Zusätzliche Frage: Bleibt das 160 kg schwere Reserverad beim Kippen auf dem Dach?
Wir entschieden uns fürs Risiko – und hatten Glück.


Der Thermostat wurde gewechselt, das Kühlmittel (größtenteils) aufgefangen und wieder eingefüllt – allerdings blieben einige Liter übrig. Das Fahrerhaus wurde zurückgekippt, der Durchgang montiert.
Es war mittlerweile Silvester, 17 Uhr.
Der anschließende Testlauf endete erneut mit Überhitzung. Das System war nicht ausreichend entlüftet. Nun versammelten sich Meister, Gesellen und Hilfskräfte des Mercedes Special Truck Centers zur gemeinsamen Beratung. Trotz Vollgasorgien, geöffneter Leitungen und diverser Maßnahmen blieb der Erfolg aus.
Das Fazit: Es könne nur noch die Wasserpumpe sein.
Diagnose ohne Lösung – und ein ungewöhnlicher Jahreswechsel
Die Recherche ergab:
Wasserpumpe aktuell weder in der Türkei noch in Deutschland verfügbar. Neuproduktion notwendig. Lieferzeit: 5–6 Wochen.
Das Fahrzeug sei nicht fahrbereit. Wir dürften jedoch gern auf dem Werkstattgelände campieren.
Es war 19 Uhr, dunkel, Silvesterabend. Die meisten Mitarbeiter verabschiedeten sich in den Feierabend.
Wir beschlossen:
- alles wieder zusammenbauen zu lassen
- die Silvesternacht auf dem Gelände zu verbringen
- am Morgen bei kaltem Motor selbst Kühlmittel nachzufüllen
- und zunächst zum City-Camping zurückzukehren
Der letzte verbliebene Meister baute alles zusammen und füllte bei kaltem Motor weitere 6–7 Liter Kühlflüssigkeit nach. Nach einer weiteren Diagnosephase erklärte er überzeugt, das Problem nun endgültig gelöst zu haben.
Wir fielen gegen 22 Uhr erschöpft ins Bett und verbrachten Silvester auf dem Werkstattgelände.
Am Morgen füllte ich noch einen halben Liter Kühlmittel nach. Unter ständiger Temperaturkontrolle kehrten wir problemlos zum Campingplatz zurück.
Nun stellt sich die Frage – für eine ungewisse Garantiereparatur der Wasserpumpe monatelang hier verharren – oder auf eigenes Risiko weiterfahren?
