Ayvalık: Oliven, Regen und die Lehre vom falschen Boden

Unser erstes längeres Ziel in der Türkei war die Gegend um Ayvalık, gegenüber der griechischen Insel Lesbos. Auf der Halbinsel Maden Adası, direkt am Ladik Plajı, fanden wir einen wunderschönen Platz am Strand. Weit, ruhig, ursprünglich. Eine Woche wollten wir bleiben.

Wir blieben – aber nicht freiwillig.

Der Regen setzte ein. Erst sanft, dann hartnäckig. Schließlich mit einer Konsequenz, die Landschaften verändert. Wege verschwanden, Senken wurden zu Seen, und das, was vorher ein Feldweg war, ließ sich nur noch erahnen.

Als wir schließlich los wollten, waren große Teile der Strecke überspült. Eine Abkürzung durch einen Olivenhain schien vernünftig. Olivenhaine sehen harmlos aus. Sie sind es nicht.

Der Boden hatte eine Konsistenz, die man am besten mit Quark beschreibt. Nicht nass genug zum Schwimmen, nicht fest genug zum Fahren. Der Unimog sank langsam, sehr langsam – aber unaufhaltsam ein.

Sandbleche verschwanden vollständig. Spuren wurden tiefer. Sehr viel tiefer.

Luft ablassen auf 1,5 bar, Mittendifferenzial sperren, Hinterachse sperren – all das half nur bedingt. Erst stundenlange Schaufelarbeit zwischen den Achsen ermöglichte minimale Bewegungen.

Als Krönung stand am Ende der Spur ein Olivenbaum. Lenken war praktisch unmöglich. Die bis zu 50 cm tiefen Spurrinnen zwangen den Unimog immer wieder zurück in seine selbst gegrabene Führung.

Der Unimog blieb ruhig. Kein Aufbäumen, kein Drama. Nur dieses unmissverständliche Gefühl: Ihr habt mich hierher gebracht – also bringt ihr mich hier auch wieder raus.

Mit vorsichtigem Vor- und Zurückschaukeln, Millimeterarbeit und viel Geduld gelang es schließlich, die Spur so weit zu verbreitern, dass ein minimaler Lenkeinschlag möglich wurde. Rückwärts, vorbei am Olivenbaum. Zwei bis drei Stunden später waren wir wieder auf festem Untergrund.

Eine Erfahrung, die man nicht vergisst – und die man nur einmal braucht.

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