Direkt nach der Ortsausfahrt von Kaş beginnt eine mehrere Kilometer lange Steigung mit rund 8 %. Noch gewohnt aus den letzten Tagen, behielten wir die Kühlmitteltemperatur im Blick. Sie blieb zunächst im Bereich von 80–93 °C – alles völlig unauffällig.
Dann, genau auf der Kuppe der Steigung:
„Kühlwasserstand zu niedrig – auffüllen.“
Okay, dachten wir. Nächste Gelegenheit, halben Liter nachfüllen, weiterfahren.
Im selben Moment erschien die zweite Meldung:
Temperatur über 103 °C – Motorleistung reduziert.
Das ist der Punkt, an dem Diskussionen enden.
Sofort rechts ran, so gut es ging – schräg im Gefälle, neben einem Seitengraben. Motor aus. Kontrolle. Und tatsächlich: derselbe Schlauch war erneut abgesprungen. Kühlwasser überall.
Der Unimog hatte uns damit eine ziemlich klare Botschaft geschickt:
Das hier ist noch nicht gelöst.
Improvisation im Gefälle
Die Situation war diesmal deutlich unangenehmer als beim ersten Mal. Heißer Motor, starkes Gefälle, kein ebener Standplatz. Schritt für Schritt füllten wir rund 20 Liter Wasser nach. Die Fahrerhausheizung blieb zunächst ohne Funktion – ein sicheres Zeichen dafür, dass noch viel Luft im System war.
Also vorsichtig das Gefälle hinunter, immer mit einem Auge auf der Temperaturanzeige, bis wir eine ebene Fläche fanden: eine Kiesgrube mit Sand- und Steinlager für den Straßenbau. Kein schöner Ort, aber ein idealer.
Dort folgte wieder das bekannte Ritual:
Abkühlen lassen. Nachfüllen. Warten. Wieder nachfüllen.
Stunden vergingen, bis die Heizung endlich wieder warm wurde und der Kühlmittelstand stabil blieb. Erst dann ging es weiter – langsam, aufmerksam, mit neu gewonnener Demut.
Die große Frage: Was tut man eigentlich, wenn…?
Spätestens an diesem Punkt drängt sich eine Frage auf, die man unterwegs gerne verdrängt:
Was macht man in solchen Situationen – mitten in den Bergen – wenn man nicht zufällig 500 Liter Trinkwasser dabei hat?
Mit reinem Wasser im Kühlsystem zu fahren ist keine ideale Lösung. Gleichzeitig wächst der Verdacht, dass der zweimal abgesprungene Schlauch nicht die eigentliche Ursache des Problems ist, sondern nur das schwächste Glied der Kette – eine Art Sollbruchstelle.
Mögliche Kandidaten gibt es viele:
- Thermostat
- Wasserpumpe
- Ausgleichsbehälterdeckel
- oder eine Kombination aus allem
Ein Termin in einer Unimog-Fachwerkstatt in Antalya – zwischen Weihnachten und Neujahr – war schnell vereinbart. Der Unimog hatte deutlich gemacht, dass er dazu eine professionelle Meinung hören möchte.
