Haci Beach: Ein Ort, ein Mensch – und viele Geschichten

Haci Beach trägt seinen Namen nicht zufällig. Haci ist der Besitzer dieses besonderen Ortes – ein entspannter Reggae-Man, der viele Jahre in der Gastronomie von Antalya gearbeitet hat und sich dann, noch vergleichsweise jung, entschied, sein eigenes kleines Paradies zu schaffen. Strandbar, Bistro und Campingplatz in einem. Kein Luxus, keine Hektik – dafür Gelassenheit, Musik und ein bemerkenswert gutes Gespür für Menschen.

Haci lebt hier sichtbar zufrieden. Barfuß, lächelnd, präsent. Einer dieser Menschen, bei denen man sofort merkt, dass sie angekommen sind.

Begegnungen am Strand: Reisende unter sich

Am Haci Beach lernten wir auch Vivian und Jürgen aus dem Raum Koblenz kennen. Die beiden hatten Teile von Jürgens Firmenimperium verkauft und reisen seit mehreren Jahren mehr oder weniger in Vollzeit. Aktuell waren sie mit einem nagelneuen Niesmann & Bischoff unterwegs – ein deutlicher Kontrast zu unserem MogStar, aber Gesprächsthemen gibt es unter Reisenden immer genug. Interessant war allerdings, dass wir ihn im Laufe der Gespräche erfolgreich mit dem Allrad-Virus infizieren konnten. Manchmal beginnt so etwas ganz harmlos – mit einer Probefahrt im Kopf.

Strom auf der Treppe: Wenn etwas nicht stimmt

Nach einer Nacht mit kräftigem Gewitter gingen wir am Morgen mit den Hunden spazieren. Bei der Rückkehr jaulte Tila, unsere Ridgeback-Hündin, beim Einsteigen plötzlich laut auf und sprang regelrecht ins Innere des Unimogs. Zunächst dachten wir an eine Verletzung – vielleicht eine eingeklemmte Kralle.

Kurz darauf verhielt sich Roxanne, die Barsoi-Dame,  ähnlich. Schon beim zweiten Anlauf begann sie panisch zu jaulen, noch bevor sie die Treppe überhaupt betrat. Sie riss sich los und verschwand. Für den Rest des Tages – und die gesamte Nacht – blieb sie verschwunden.

Später, bei der Müllentsorgung neben der Heizungsanlage, erhielt ich selbst leichte Stromschläge am Metallchassis der Versorgungsklappe und am Heizungsgehäuse. Der Aufbau stand offensichtlich unter Spannung. Die kurz zuvor, nach dem Gewitter, angeschlossene Stromversorgung wurde sofort wieder getrennt.

Plötzlich ergab alles Sinn: Die Hunde mussten über ihre empfindlichen Pfoten leichte Stromschläge bekommen haben. Nach dem Trennen des Festnetzes schien zunächst wieder alles stromfrei.

Der Mann, der beinahe seine Katze grillte

Ebenfalls am Platz stand ein weiteres deutsches Paar: Birgit und Sigi aus dem Raum Balingen. Sie waren mit einem großen Morelo unterwegs. Sigi – Katzenmensch, Pedant und eher unfreundlicher Zeitgenosse – fiel bereits bei der Begrüßung durch Beschwerden über unsere nicht angeleinten Hunde auf.

Sein erklärtes Problem: Der Kompressorkühlschrank benötige so viel Strom, dass autarkes Stehen nicht möglich sei. Entsprechend zog er auch Strom – so viel, dass sein Stecker mehrfach vollständig verkokelte und es wiederholt zu Kurzschlüssen in der Zuleitung kam. Warnungen, die Stromaufnahme auf 3 Ampere zu begrenzen, ignorierte er.

Nach mehreren Gewittern war der sandige Untergrund des Platzes vollständig durchnässt. An einem sonnigen Nachmittag fiel mir auf, dass sich seine Katze, die an der Hubstützenanlage des Morelos angeleint war, extrem panisch verhielt. Zunächst dachte ich, sie habe sich in der Leine verfangen oder stranguliere sich.

Als ich Sigi darauf aufmerksam machte, kroch er unter das Fahrzeug, um die Katze zu befreien – und erhielt dabei offenbar selbst mehrere Stromschläge, genau wie zuvor die Katze. Erst nach längerer Aktion – Hubstützen hoch und runter, Stromversorgung trennen – konnte das Tier geborgen werden. Die Katze war apathisch, Blut lief ihr aus dem Maul.

Das Paar entschied sich sofort, zum Tierarzt nach Kumluca zu fahren. Die tatsächliche Abfahrt mit dem Mega-Quad dauerte allerdings über eine Stunde.

Technische Ursachen – und eine gefährliche Kette

Die spätere Analyse der Situation ergab ein klares, wenn auch erschreckendes Bild:

Sigi hatte mit seinem Morelo erneut deutlich zu viel Strom gezogen. Der Stecker seiner Zuleitung war vollständig verkokelt und verursachte einen Kurzschluss zwischen Phase (220 V) und Masse. Aufgrund mangelhafter Absicherung am Platz reagierten weder Sicherungen noch FI-Schalter. Auch im Fahrzeug selbst griff offenbar keine Schutzmaßnahme.

Der Strom suchte sich seinen Weg über die Gesamtmasse des Morelos, weiter über die metallenen Hubstützen in den nassen Sandboden. Die Katze erhielt bereits über das Erdreich Stromstöße, die sich bei jeder Berührung der Hubstützen massiv verstärkten.

Sigi selbst lag im nassen Sand – und wurde ebenfalls erfasst. Ein Umstand, der angesichts seines Herzschrittmachers im Nachhinein erschreckend erscheint.

Unser MogStar stand nur wenige Meter entfernt. Die vorderen Hubstützen des Morelos waren etwa fünf bis sieben Meter von unserer Metalltreppe entfernt. Der Strom übertrug sich offenbar über den stark durchnässten Sand auf unsere Treppe und schloss – spätestens bei Verbindung mit dem Festnetz – den Stromkreis.

Nicht tödlich, aber mehr als stark genug, um Hunde in Panik und Schock zu versetzen.

Nachwirkungen – und ein klares Fazit

Tila erholte sich vergleichsweise schnell. Schon wenige Stunden später ging sie wieder ohne Zögern über die Treppe.
Roxanne blieb verschwunden. Erst am nächsten Morgen lag sie erschöpft und hungrig vor dem Unimog. Auch sie schien die Verbindung zwischen Treppe, Boden und Strom nicht mehr zu erinnern – und stieg wieder problemlos ein und aus.

Fazit:
Eine Metalltreppe sollte grundsätzlich vom Untergrund entkoppelt werden – sei es durch Gummipuffer oder Holz. In Verbindung mit nassem Boden und möglichen Blitzeinschlägen kann sie sonst zur ernsthaften Gefahr werden.

Zurück zur Ruhe

Abgesehen von diesem Zwischenfall war Haci Beach ein entspannter Ort. Wir gingen häufig schwimmen, konnten an sonnigen Tagen ausgiebig baden und einfach nichts tun.

An manchen Abenden verwandelte Haci seine selbst gefangenen Krabben, kombiniert mit etwas Fleisch, in kleine improvisierte Grillevents. Musik, Meer, ein paar Reisende – und das Gefühl, trotz allem genau am richtigen Ort zu sein.

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