27. Januar
Morgen brechen wir auf zum Tuz Gölü, dem großen Salzsee auf dem Weg nach Ankara.
Hinter uns liegt eine Woche unfreiwilliger Stillstand: eine hartnäckige Erkältung hat uns auf einem Campground bei Avanos / Göreme festgenagelt. Krank sein unterwegs ist nie romantisch – aber wir hatten Zeit, Ruhe und einen Ort, an dem wir einfach bleiben konnten. Jetzt sind wir noch nicht ganz auf der Höhe, aber stabil genug, um weiterzufahren.
Trotz allem haben wir uns eine Ballonfahrt nicht nehmen lassen. Früh am Morgen, schwebend über diese fast unwirkliche Landschaft von Göreme: Höhlenwohnungen, Feenkamine, zerfurchter Tuffstein, Licht und Schatten. Ein Erlebnis, das bleibt – auch wenn man Taschentücher in der Jackentasche hat.
Im Moment stehen wir am Rand des Love Valley. Morgen besuchen wir noch das Museum mit den Höhlenwohnungen und Kirchen. Dann geht es wirklich weiter.
Merkwürdig: Wir freuen uns inzwischen sogar auf die Küste des Schwarzen Meeres, obwohl danach klar ist, was kommt – die Rückreise.
Ab Mitte Februar müssen wir die Türkei verlassen, dann sind unsere 90 Tage ausgeschöpft.
Zeit für ein ehrliches Zwischenfazit:
- Die Menschen
Überraschend freundlich, aufmerksam und engagiert. Probleme werden nicht ignoriert – man bleibt dran, bis eine Lösung gefunden ist. Dieses echte Interesse hat uns mehr als einmal berührt. - Müll & Infrastruktur
Überall stehen Mülleimer. Wirklich überall. Auf dem Land, in den Bergen, an Straßen, bei Sehenswürdigkeiten. So einfach war Müllentsorgung auf Reisen noch nie. Auch wenn sich das Verhalten der Bevölkerung teils noch anpasst – für Reisende ist das eine enorme Erleichterung. - Straßenhunde & -katzen
Sie werden mit Respekt behandelt. Kein einziges Mal hatten wir den Eindruck von Tierquälerei – im Gegenteil.
Vor Geschäften stehen Futterstellen, auf Treppen liegen Essensreste, an Straßenecken kleine Hütten. Viele Tiere tragen Halsbänder, haben Bezugspunkte zu Höfen oder Vierteln.
Manche Hunde gehen spazieren, wandern mit, regeln gefühlt den Verkehr oder suchen sich ihre Menschen selbst. Freiheit, aber nicht Gleichgültigkeit. - Bauen, bauen, bauen
Die Bautätigkeit in der Türkei ist enorm – so viele Neubauten haben wir in keinem anderen Land gesehen. Besonders auffällig: neue Ferienhaussiedlungen, oft im luxuriösen Villenstil, scheinbar endlos.
In der Region Mersin / Adana standen wir plötzlich vor hunderten neu entstandenen Hochhauskomplexen. Viele gerade fertig, andere noch im Rohbau. Ganze Städte auf Vorrat.
Die Türkei überrascht. Nicht leise, sondern deutlich.
Und Kappadokien – selbst krank – hat sich tief eingeprägt.





