Regen, Grenzen und ein erster Hauch von Weite

Bei endlosem Regen, zeitweise begleitet von Schnee, führte uns die Route weiter nach Süden. Fast beiläufig passierten wir nacheinander die Grenzen zu Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro. Die Grenzübergänge waren meist klein, unscheinbar, fast improvisiert – und gerade deshalb erstaunlich effizient. Kaum Wartezeit, ein paar Blicke, ein Stempel, weiterfahren.

Das Interesse der Zöllner galt dabei weniger uns als vielmehr dem Fahrzeug.
Ist das ein Camper? – eine Frage, die wir noch oft hören sollten.
Dazu kamen neugierige Blicke auf unsere beiden Doggys: Rasse, Größe, Herkunft. Freundliche Gespräche, ein kurzer Austausch, dann ging es weiter.

Eine Nacht verbrachten wir bei einer orthodoxen Kirche in Donje Selo, nahe Brod in Montenegro. Ein stiller Ort, etwas abseits, umgeben von Landschaft und ohne jede Hektik. Eine kurze Besichtigung war leider nur von außen möglich, doch auch das reichte, um den besonderen Charakter des Ortes aufzunehmen. Dann zog es uns weiter.

Die Straße führte vorbei am Krupacko jezero, dessen Wasser im grauen Licht fast spiegelglatt wirkte. Kurz darauf erreichten wir Albanien – und damit einen spürbaren Wechsel im Reisegefühl. Dorf reihte sich an Dorf, ohne klare Unterbrechung. Die rund 200 Kilometer wurden zu einer einzigen langen Ortsdurchfahrt, gefahren im Zeitlupentempo. Leben spielte sich direkt an der Straße ab, Verkehr mischte sich mit Alltag, und Eile war hier eindeutig fehl am Platz.

Am selben Tag passierten wir schließlich noch die Grenze zu Griechenland. Hoch oberhalb des Lake Kostri, nahe Kastoria, fanden wir einen wunderschönen Bergspot. Weite Aussicht, frische Luft – und Wildpferde, die ruhig durch die Landschaft zogen. Ein Platz, der sich anfühlte wie ein erstes echtes Ankommen.

Der Unimog stand hoch über dem See, der Regen hatte endlich nachgelassen, und zum ersten Mal seit Tagen öffnete sich der Blick. Genau solche Momente sind es, die lange Fahrtage im Rückblick plötzlich leicht erscheinen lassen.

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